Zimmer

     Gruppenräume

     Freizeit

     Geschichte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geschichtliches

Lage und Geschichte

Im westlichen Münsterland liegt mitten in einem früheren Sumpfgebiet der oberen Bocholter Aa, nördlich des Weichbildes der Stadt Borken, die Wasserburg Gemen. Einst war sie Sitz der Herrschaft Gemen, einer der bedeutendsten Dynastien Westfalens. Gemen liegt an der Bundesstraße 70 und ist von Münster über die B 67 zu erreichen. Seit 1946 ist die Burg Jugendbildungsstätte des Bistums Münster und wird als "Jugendburg Gemen" vom Bischöflichen Generalvikariat Münster unterhalten. Dem Eigentümer, Graf von Landsberg-Velen auf Schloss Wocklum im Märkischen Kreis, ist zu danken, dass er die Gebäude und einen großen Teil der historischen alten Ausstattungsstücke zur Verfügung gestellt hat.

Das heutige Erscheinungsbild ist in der flachen Parklandschaft nicht nur malerisch, sondern auch imposant anzusehen; denn die unregelmäßigen Gebäudegruppen auf der Hauptburg und auf den drei anderen Inseln mit ihren reizvollen Spiegelungen in den zahlreichen breiten und schmalen Gräften mit der unteren und oberen Freiheit sowie dem ehemaligen Franziskaner-Kloster und den Bürgerhäusern bilden einen wirkungsvollen Kontrast zu den transparenten Baumkulissen und den saftigen Weiden. Dieser große Baukomplex ist über fast 900 Jahre epochenweise und individuell gewachsen, so daß er - eine Synthese von besonderen Architekturgruppen in städtebaulicher Zuordnung und gestalteter Landschaft zu einem Kunstwerk geworden ist, das in Westfalen ohne Beispiel, obendrein von besonderer Schönheit auf unsere Zeit gekommen ist.

Die Geschichte von Gemen beginnt mit der ersten Erwähnung eines Herren Weremboldus im Jahre 1092 als Vogt des reichsfreien Damenstiftes Vreden (25 km nördlich im Kreis Borken). Sicherlich waren die Herren von Gemen schon seit der Gründung des Klosters (839) mit dem Schutz betraut und haben diesen praktisch bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts ausgeübt. Sie konnten ihr Geschlecht bis auf die Nachkommen des sächsischen Herzogs Widukind zurückführen. Im 12. Jahrhundert werden mehrmals die Herren von Gemen auch als Zeugen in Kaiserurkunden erwähnt. Es wird schon in dieser Zeit eine fest geschlossene Herrschaft gebildet und seit 1282 ein Lehensverhältnis zu den Grafen von Kleve, den späteren Herzögen von Kleve, festgestellt.

Von diesem Herrschaftsgebiet aus wurde zumeist eine den Fürstbischöfen von Münster entgegengesetzte Politik verfolgt, indem sich die Herren von Gemen an der großen Reichspolitik orientierten. Dadurch gerieten sie in einen Gegensatz zu den Bischöfen von Münster, die ihrerseits ihr Fürstbistum im Umkreis von etwa 50 km durch den Ausbau verschiedener Landesburgen festigen wollten. Wie die Edelherren von Anholt, Burgsteinfurt und Rheda nutzten die Herren von Gemen diese Polarität aus; sie waren daher zeitweilig mit der einzigen Reichsstadt in Westfalen, mit Dortmund, verbunden oder boten ihr Haus dem Erzbischof von Köln dar (1295). Im 14. Jahrhundert dagegen konnte sich der Bischof von Münster wieder durchsetzen, so daß sogar das Haus Pröbsting (5 km SW) innerhalb der Herrschaft ein münstersches Offenhaus wurde. Erst Heinrich III von Gemen (1368-1424) konnte durch eine geschickte Politik nach Westen bis nach Gelderland verlorene Rechte zurückgewinnen, wie es bei der Vogtei von Vreden geschah. Sein Sohn Johann II (1424-1455) übertraf den Vater mit seiner Geschäftstüchtigkeit, als er in den verschiedenen Städ- tefehden des 15. Jahrhunderts sowohl mit den Bischöfen als auch mit dem Herzog von Kleve erfolgreich paktierte. Als Ergebnis konnte er die Verpfändung des Vestes Recklinghausen verbuchen. Mit Johanns nicht so erfolgreichem Sohn Heinrich IV, der 1492 ohne Manneserben starb, setzte sich der jahrhundertelange Streit zwischen Gemen und Münster wieder fort.

Bei der Erbteilung fielen Herrschaft und Burg durch die Ehe der Tochter Cordula mit dem Grafen Johann IV von Holstein-Schaumburg und Sternberg an ein landfremdes, aber bedeutendes deutsches Adelsgeschlecht. Sein Enkel, Jobst II (1557-1588, Vetter von Wilhelm von Oranien, dem Schweiger), führte in den Jahren 1558-1561 in Gemen die   lutherische Reformation ein. 1534 hatte sein Bruder, Adolf XIII, später Erzbischof von Köln, den fast 200 Jahre dauernden Streit um die Landeshoheit über die Herrschaft Gemen mit dem Bischof von Münster begonnen. Während des 30jährigen Krieges in Nordwesteuropa konnte Jobst Herrmann (1597-1665) als letzter Schaumburger seiner Herrschaft Gemen die schlimmsten Bedrükkungen der kaiserlichen und hessischen Truppen ersparen. Als er ohne männlichen Erben starb, brach ein Erbfolgestreit aus. In dieser Zeit hatte der Kurfürst von Brandenburg die Lehnshoheit von dem Herzog von Kleve geerbt, so daß eine neue politi- sche Orientierung entstand.

Über die Äbtissin von Vreden wurde durch deren Verwandtschaft die Herrschaft Gemen an den Grafen Hermann Otto l von Limburg-Styrum weitervererbt, dessen Geschlecht zu den besitzreichsten beiderseits des Niederrheins gehörte. Er kämpfte als General der Kavallerie auf der Seite der Generalstaaten und erlebte die Schlacht bei Stadtlohn (1623) mit, die eine Niederlage des "tollen Grafen" Christian von Braunschweig gewesen war.

Sein Sohn Graf Adolf Ernst (1644-1657) bemühte sich, mit Hilfe des Kurfürsten von Brandenburg die gesamte Herrschaft gegen den Widerstand des Fürstbischofs von Münster in die Hand zu bekommen. Er bemühte sich ohne Erfolg, seine Untertanen zum katholischen Glauben zurückzubringen. Später bestanden sogar (nach der Einwanderung holländischer Calvinisten) drei religiöse Gemeinden mit drei verschiedenen Kirchengebäuden. Auch blieb das Gebiet weiterhin ein Spielball in der brandenburgisch-münsterischen Politik.

Der Sohn Hermann Otto II (1675-1704) wurde in kaiserlichen Diensten unter Prinz Eugen in den Türkenkriegen ein berühmter Heerführer. Er konnte den vor dem Reichskammergericht immer noch schwebenden Prozeß um die Landeshoheit über die Herrschaft Gemen 1694 zugunsten seiner Familie entscheiden. Der Streit endete 1700 auf Schloß Ahaus durch einen Vergleich mit Münster.

Im Verlauf des 18. Jahrhunderts entstanden zahlreiche Besitzwechsel zwischen den Familien Velen-Raesfeld und Limburg-Styrum. Nach einem erneuten Erbprozeß bekam die ehemals reichsfreie Herrlichkeit den Charakter einer Landesherrschaft durch den Wiener Kongreß (1814), und 1822 wurden die Gebiete Gemen und Raesfeld durch einen Kaufvertrag von dem Reichsfreiherrn Ignatz von Landsberg-Velen erworben, so daß heute noch der Besitz zu dieser Familie gehört.

Im Jahre 1946 wurde die Burg auf Initiative von Kardinal Clemens August Graf Galen, Bischof von Münster, gepachtet. Sie wurde damit in den Dienst der Öffentlichkeit gestellt.

Die Baugeschichte

Ähnlich wie mit den geschichtlichen Etappen der Familien verhält es sich auch mit den fünf großen Epochen der Baugeschichte. Vermutlich begann man in der Mitte des 13. Jahrhunderts mit dem Bau eines Bergfrieds, der als zylindrischer Körper (0 8,50 m) in eine Ringmantelmauer von fast kreisrunder Form im 0 von ca. 25 m eingezogen wurde.

Bei Bauarbeiten (1972) wurden die Fundamente in einer Mauerdicke von etwa 2 m im Keller des nordostwärtigen Flügels entdeckt und gesichert. Das Material besteht aus einem gelb-roten Sandstein, der in der Nähe von Borken in Quadern gebrochen wurde, wie diese auch noch im unteren Teil des Bergfrieds sichtbar sind. Dagegen sind die Gewölbe des Turmes aus rheinischem Tuffstein in zwei übereinanderliegenden Geschossen eingebaut. Eine ähnliche Anlage können wir bei der Wasserburg Anholt feststellen, wo auch ein Bergfried des 13. Jahrhunderts in einer Ringmantelburg konzipiert worden ist, jedoch in größeren Abmessungen, vollkommen aus Tuffstein und oval gestaltet.

Im zweiten großen Bauabschnitt, vermutlich während des 14. Jahrhunderts, wurde die Burg durch eine neue Ringmantelmauer fast verdoppelt. Man kann sie im Norden, Osten und Süden mit den noch stehenden Bauwerken des kleinen zweigeschossigen Palas (8,0 x 17,5 m) mit den unregelmäßigen Mauern aus Sandsteinquadern und der Bermemauer erkennen, so daß diese Anlage ein Polygon von etwa 40 bis 45 m Durchmesser gewesen war. Vermutlich stand im Norden ein rechteckiger Wohnturm, während die westlichen Teile nicht mehr in ihrer damaligen Gestalt zu ermitteln sind.

Beim dritten Bauabschnitt erhielt die Burg ihre heutige Ausdehnung mit dem charakteristischen Erscheinungsbild des großen dreigeschossigen Palas mit dem Ballturm und dem Batterie- oder Kapellenturm im Westen. Weiterhin wurde die Bermemauer im Süden, Westen und Norden erweitert, so daß zwischen den Gebäuden auch noch ein Zwinggraben entstand. Diese Bauepoche fällt vermutlich in die Zeit  Heinrich III von Gemen, da in der Südfront des Palas ein Türsturzstein mit Inschrift und Wappen (1411) eingelassen ist. Auch auf einem Bild, welches in das Jahr 1650 zu datieren ist, wird die Burg und die Stadt Borken gezeigt. Der Bergfried ist mit einem Zinnenkranz und einem innenliegenden Kegeldach dargestellt, so daß diese Bauformen in die gotische Erbauungszeit um 1400 verweisen. Weiterhin ist bemerkenswert, daß nicht nur die gewölbten Keller des Palas, sondern auch die Aufstokkung des Bergfrieds auf vier Geschosse und der Neubau des Batterieturmes aus Backsteinen erfolgte. Schon am Äußeren des Palas kann man in der Aufteilung der Fenster im Rhythmus von 2: 3 Gruppen erkennen, daß im Innern sich auf der nördlichen Seite ein großer Saal und auf der südlichen die Saalkammer befand.

Im 16. Jahrhundert vervollständigen nur geringe Baumaßnahmen die Anlage, wie z. B. der Treppenturm in der Nordostecke des Hofes und die Verbindung zwischen altem und neuem Palas. Das heutige Erscheinungsbild am Äußeren mit allen Architekturzieren und im Innern mit der Raumfolge sowie die Ausstattung mit Kaminen und Stukkaturen geht in die große Bauzeit des Grafen Hermann Otto II zurück. Er begann bereits 1682 mit dem Abbruch des Palas bis auf die Kellerfundamente, da dieses Gebäude baufällig geworden war. Weiterhin ist der Vertrag mit dem Baumeister Schmeddes aus Borken bekannt sowie die verschiedenen Bauzeichnungen, durch die der Ballturm seine charakteristische hochbarocke Gestalt erhalten hat. Auch weisen die Zeichnungen eine Quaderung des Putzes auf, wie er zum Teil noch unter dem Efeu erhalten ist.

Der Bauherr hat neben dem Baumeister noch den Architekten Le Temps zur Detaillierung der Architektur hinzugezogen. So haben die Fenster des Erdgeschosses Umrahmungen aus profilierten Sandsteinen und eine Betonung mit halbkreisförmigen Muschelaufsätzen, die durch kräftige Gesimse betont sind. Die Baukörper erhielten luftige Balustraden vor den zurückgesetzten Dächern; sie sind in einem Rhythmus von vier bzw. fünf Teilen gegliedert. An den Ecken wurden sie noch durch Pilaster mit Kugeln und Akanthusblättern betont. Dadurch erhalten die schweren Baukörper einen leichteren barocken Abschluß gegenüber den bisherigen strengen Formen der Gotik, wie sie noch im ehemaligen Ostpalas vorhanden sind; allerdings ist der Treppengiebel eine Kopie aus dem 19. Jahrhundert.

Gleichzeitig wurden am Nordflügel Änderungen durchgeführt, besonders das Portal wurde in klassisch-römischer Ordnung vom Architekten Le Temps entworfen und von Schmeddes in Baumburger Sandstein ausgeführt.

Die zweiflügelige Tür wird von Dreiviertelsäulen und Quadermauerwerk eingerahmt und trägt ein dreiteiliges Gesims mit einer Wappenkartusche. Auf dem Gesims befindet sich in der Mitte eine antikisierende Kaiserbüste, flankiert von zwei Kugeln mit Akanthusblättern. Auf den vier Treppenstufen schreiten zwei Löwen in Lebensgröße mit Kugeln abwärts, eine Besonderheit in Westfalen.

Das gesamte Schloß wurde 1692 mit einem gelblich durchgefärbten Putz und mit einer Fugenteilung in Quadern (30x50 cm) durch weiße Farbstriche gegliedert, wie es im Vertrag lautet: "... alles, als wenn es ein neues Haus scheine ..." (Staatsarchiv Münster).

Obgleich der Wiederaufbau nach altem Prinzip geschah, wurde schon in den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts die noch heute vorhandene Einteilung in Kabinette gewählt. Nur der nördliche Teil des Palas erhielt einen fast quadratischen Saal, und der unregelmäßige Nordflügel wurde durch Einziehen einer Wand zu einem fast rechteckigen Raum. Der Duktus der Deckenstukkaturen im Rittersaal, im Jagdzimmer und im ehemaligen Roten Salon deutet auf die Anfänge des Rokokostiles, während der Kamin in der Halle (1691), die Türumrahmungen und die Deckenfelder dieses Raumes noch im Barock verhaftet sind. Im Obergeschoß wurden auch die großen Räume in kleine Kabinette aufgeteilt. Sie erhielten zur Ausstattung Deckenstuck und Kamine mit Rokoko-Ornamenten, deren Beschreibung später erfolgt.

Bei der letzten großen Bauzeit des 19. und 20. Jahrhunderts handelte es sich um keine wesentliche Veränderung der Hauptburg, sondern nur um verschiedene Umbauten. Dagegen wurde die Vorburg wesentlich umgestaltet. Auf einem Plan von 1639 wird der Zugang zur Oberburg von der oberen Freiheit winkelförmig über eine bebaute Vorburg dargestellt. Auf ihr befanden sich ein Torhaus, ein Haus des Amtmannes und verschiedene Wirtschaftsgebäude. Schon im 17. Jahrhundert wurde ein Teil abgebrochen. Nach einem Brand von 1865 auf der Freiheit wurde eine neue Achse fast in Nordsüdrichtung (240 m) zu der Straße Velen-Ramsdorf-Gemen angelegt. Die heute dort befindlichen Gebäude entstanden 1882 und 1890 in Formen der Neurenaissance. Die östliche Vorburg ist heute Gästehaus in der Jugendburg; in der westlichen Vorburg sind Tagungsräume untergebracht. Von der alten barocken Anlage stammen noch die beiden Brückentore zur Oberburg und zur Freiheit sowie das Parktor im Westen.

Nach dem Erwerb der Burg durch die Familie Landsberg-Velen (1822) wurden besondere Umbauten in den Jahren 1855 und 1885 durchgeführt wie z. B. die Wandvertäfelung und der Parkettboden im Rittersaal und Jagdzimmer.

Zu dieser Zeit sind auch die Gobelins aus Wocklum und die Ledertapeten aus Erwitte nach hier übernommen worden. Nach dem letzten Weltkrieg wurden im Inneren verschiedene Maßnahmen zur Modernisierung durchgeführt. Besonders zu erwähnen ist die Umgestaltung des Erdgeschosses im ehemaligen Ostpalas. Dort wurde unter der Leitung des Bildhauers Hein Wimmer aus Köln 1950 die Michaelskapelle eingerichtet.

Beschreibung des Inneren

Der Vorsaal (Eingangshalle im Mittelbau) wurde in einer einheitlichen barocken Konzeption gestaltet. Durch die schräg hineingestellte Westwand zum Rittersaal erscheint dem Beschauer der Raum fast rechteckig, so daß er nicht die Unregelmäßigkeit bemerkt, welche durch die verschiedenen Bauepochen entstanden ist. Der Raum wird durch  drei Nord- und ein Südfenster belichtet. In der Mitte der Stirnwand wurde von H. Schmeddes (1682-1693) ein Kamin auf gedrehten und mit Blattranken verzierten korinthischen Säulen aus Baumberger Sandstein aufgestellt. Ein Stuckrelief im oberen Teil zeigt unter einer Krone das Ehewappen von Hermann Otto II und seiner Frau Charlotte Amalie von Velen. dekoriert mit Warfen bzw. Blumen. Die hölzernen Türumrahmungen sind farbig bemalt; darüber befindet sich ein verziertes Stuckgesims. Eine Besonderheit in Westfalen stellen die gemalten Paneele dar (um 1700). Es sind Grisaillemalereien mit antiken Motiven von der Hand des holländischen Malers T. v. Nijmegen; sie wurden kürzlich von Restaurator Jetter, Vreden, wiederhergestellt. An der Südwand steht ein großer Schrank, genannt Schapp, aus vier Teilen mit reich geschnitzten Säulen und Füllungen, eine niederländische Arbeit von 1615.

Durch die linke Tür betreten wir den quadratischen Rittersaal (11,20x11,20 m), der durch zwei West- und ein Nordfenster erhellt wird. Vier große Türen und eine kaum erkennbare Tapetentür verbinden den Raum mit dem angrenzenden Kabinett oder dem Kapellenturm. Die vor einigen Jahren restaurierte Stuckdecke und die Reliefs in den Fensternischen stammen aus der Zeit nach dem großen Umbau zu Beginn des 18. Jahrhunderts. In den großen Rokoko-Medaillons sind Kriegstrophäen mit den Wappen der Familien von Gemen und von Limburg-Styrum dargestellt.

In kleinen Longetten, in dem unteren Teil derVouten, sind symbolische Darstellungen der vier Jahreszeiten zu sehen. Die Wandpaneele mit Türen und der Fußboden wurden in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eingebaut und zeigen Neurenaissance-Formen. Auf den sechs Gobelins mit gleicher Höhe von 3,27 m sind auf zwei querrechteckigen und drei hochgestellten Formaten die Göttin der Jagd, Diana, mit ihren Gespielinnen dargestellt. Es sind flämische Arbeiten (Brügge) aus dem 2. Viertel des 17. Jh.; sie stammen aus dem Schloß Wocklum.

Über den Türen befinden sich gemalte Supraporten mit Darstellungen der Burgen Velen, Raesfeld, Erwitte und Wocklum, die im 19. Jh. im Besitz der Grafen Landsberg-Velen waren. (Raesfeld und Erwitte verkauft.)

An der Nordwand steht ein Kamin mit älteren Teilen vom Jahre 1644 und ein stukkiertes Allianzwappen des Ignatz von Landsberg-Velen, das im 19. Jahrhundert eingebaut wurde (1822).

Südlich anschließend befindet sich der ehemalige Speisesaal, der ebenfalls von den Vorfahren der jetzigen Besitzerfamilie in seiner heutigen Gestalt ausgestattet worden ist. An der alten Mitteltrennwand von Saal und Kammer steht ein Kaminunterbau mit vier kräftigen korinthischen Säulen und einem darüberliegenden Balken mit Wappen, datiert 1592. Der Kaminaufsatz mit dem Landsberger Allianzwappen (Friedrichs, 1842) und der Deckenplafond stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, während das Stuckrelief im Fensterbogen in der Umbauzeit Anfang des 18. Jahrhunderts gearbeitet worden ist. Die Ledertapeten mit drei Jagdszenen haben überregionale Bedeutung. Die braunen und blauen Farben sind meisterhaft ausgewogen. Aus verschiedenen Teilen zusammengesetzt sind die goldgeprägten ornamentalen Girlanden, verziert mit Puttos und Tieren. Die Tapeten wurden aus dem Schloß Erwitte hierher gebracht und sind spanische Arbeiten aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.

Die anderen Räume des Erd- und Obergeschosses sind in Kabinette aufgeteilt und zeigen sowohl bei den Decken und Türen als auch bei den kleinen Kaminen die Formsprache des Rokokos (1720-1770).

Quelle: Eberhard G. Neumann "Burg Gemen". Deutscher Kunstverlag Berlin 1995